Blasmusik? Welcher trendbewusste Zeitgenosse würde so etwas Gestriges schon hören wollen?
La Brass Banda heißt die Ausnahme von der Regel, fünf junge Burschen, die ausgezogen sind, um die »brutale Wucht des Blechs« zu erforschen. Immer wenn sie, barfuß und in Lederhosen, auf einer Münchner Innenstadtstraße ihre Instrumente auspacken, glauben die Passanten zunächst an einen Witz. »Wisst ihr, was der Unterschied zwischen Techno und bayerischem Techno ist?«, ruft der Frontmann daraufhin in die Menge. »Die Tuba!« Dann schmettert ein obertongesättigtes Umpf-Umpf-Umpf um den Block. Ein E-Bass setzt ein. Posaune und Schlagzeug legen einen schweren Disco-Wumms vor. Die Trompete spielt Feuerwehr. Und was zuerst wie die Liveversion eines Daft-Punk-Hits wirkt, entpuppt sich als beschleunigtes und bassverstärktes bayerisches Gstanzl.
Dass bei diesem handgemachten Kirchweih-Techno sämtliche Genregrenzen über den Haufen geblasen werden, nehmen die Beteiligten billigend in Kauf. Brachial muss es scheppern. Und dennoch so zuverlässig ineinandergreifen wie das Uhrwerk am heimischen Kirchturm.
Tatsächlich haben Trompeter und Posaunist der Band jahrelang mit der Blasmusik ihres Heimatdorfes Übersee am Chiemsee auf Feuerwehrfesten und in Bierzelten gespielt, während Schlagzeuger und Bassist eher der Clubszene entstammen.
Es ist der derbe Charme der fünf Chiemgauer, der für ausverkaufte Tourneen gesorgt hat, vom serbischen Goražde bis in Londoner Klubs, vom Rock-Zirkus in Roskilde über Avantgarde-Festivals und Heimatwochen bis zum Reggae-Open-Air am Chiemsee. Ihr Debütalbum Habediehre jedenfalls sammelte weit über Bayern hinaus Lorbeeren. »Eine tödliche Kombination von großen Riffs, Arrangements im Lalo-Schifrin-Stil und Tanzflächenfüllern«, schwärmte etwa das Londoner Magazin Songlines. Und empfahl, all die »epigonalen Gypsy-Orchester zu vergessen, um sich den puren Treibstoff dieses süddeutschen Funk zu gönnen«.
Das hat Dresden gerade noch gefehlt: BalbanBeat-Tanzflur-Exzess mit dem DJ-Doppel The Gypsy Love Train!
Es begab sich, das der in Dresden längst berüchtigte Schallplattenunterhalter Doran Toudescu für ein paar Tage in sein Heimatdorf Zece Prajini zurückkehrte, um sich hier eine neue Aufenthaltserlaubnis für Dresden machen zu lassen. Da traf er zufälligerweise im Hinterzimmer seiner Stammkneipe den angeblichen Pferdedieb und iPod-Dealer Loiko Zobar. Beide waren sich sofort einig: Gemeinsam ist man unschlagbar als Tonträger-Doppelgeschütz. Und so unternahmen sie zusammen eine Wanderung durch den Balkan, die alten Gypsy-Pfade entlang bis nach Indien und zurück, sammelten dabei den Sound der Vorfahren und mixten diesen mit den Beats von heute.
Nun sind The Gypsy Love Train wieder da und ptäsentieren zu wilden Tanzorgien ihren Hoppa!-Sound.